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31. März 2020 - Bildcollagen zum Vergrössern anklicken

Seit dem letzten Report hat sich die Weltlage ja doch ziemlich dramatisch verändert, und Angelnews von den Seychellen sind gerade sicher nur von sehr geringer Relevanz. Allzu viel gibt es ohnehin nicht zu berichten, denn auch hier zeigt das Thema natürlich Wirkung. Sämtliche Touristen sind weg, Hotels und Restaurants haben abgesperrt, alle Vergnügungen sind abgesagt, und die gängigen Anweisungen zum Social Distancing sind in Kraft, wenn auch ohne Ausgangssperre. Akute Fälle gibt es hier aktuell 8, alle auf Mahe, dazu sind rund 150 Personen in beobachteter Quarantäne. Viel mehr sollten es aufgrund des totalen Flugstopps hoffentlich auch nicht mehr werden. Insofern bin ich hier wohl zumindest derzeit, das heisst solange es Nahrung, Wasser und das Essentielle gibt, wohl noch am Besten aufgehoben. Zumindest darf ich noch angeln, während mein Angelverein in Deutschland dieser Tage per Email mitteilte, dass alle Gewässer behördlich gesperrt sind. Naja, ist ja bekanntlich ein Gruppensport mit massiver Ansteckungsgefahr... Das fiel nun offenbar auch irgendwelchen Entscheidungträgern auf, und seit gestern ist es wieder erlaubt. Soviel mal eben dazu, da ich doch zuletzt recht häufig nach der Lage gefragt wurde. Und nun doch zu ein paar Fischen. Da sich in der Hausbucht wieder etwas Bait zeigte, aber mir die Popperfliegen ausgegangen waren, hab ich mich mal am Selbstbau versucht. Dass das gleich wenn auch mit einem kleineren Trevally funktionierte war natürlich nett.

Allerdings war der weiche Schaum suboptimal, denn der zog Wasser, und musste damit nach jedem Wurf ausgedrückt werden. Tags drauf lag eine Charter mit den beiden deutschen Gästen Manuel und dem aus dem letzten Report bereits bekannten Jens sowie Mervin (Divinity) an. Die Jiggerei im Tiefen war wirklich übel da die Haie alles holten, was sich nicht einfach hochkurbeln liess, und noch einen Fischkopf raus zu bekommen, war schon ein Highlight. Tune waren zwar ein paar Mal zu sehen, aber erlaubten kein Rankommen. Immerhin liessen sich zwei doch noch zwei auf Popper haken, und die Jiggerei lief nachmittags im Flacheren doch ganz nett, bevor uns auch da die Haie fanden. Trotzdem hatten die beiden Angler ihren Spass.

Auch Rado aus Irland war noch hier zugang, und für ihn war eine Charter am übernächsten Tag angesetzt. Wir waren schon lange vorher und auch nach seiner Ankunft in Kontakt. Sein erster Versuch hier mit der Fliege endete mit gleich zwei Traumfischen. Von dem Bonefish gibt es leider kein Bild, aber der Permit ist wirklich allererste Sahne. 

Als ich erfuhr wo er den erwischt hatte war mir allerdings alles klar: Natürlich treiben die sich deutlich weniger vorsichtig im Marine Park herum, von dem Rado aber nichts wusste. Nach unserem Gespräch schon, und anschliessend wurde es mit seiner Fliegenfischerei dann prompt auch schwieriger. Gleiches galt für seine Charter am 21., wieder mit Mervin, die im Grossen und Ganzen genauso ablief, wie die Vorherige: Wieder Haiärger ohne Ende, egal ob um die Inseln bei einem kurzen Versuch auf GTs oder draussen am Drop. Dort minimal Tun, und eher wenig heile Jiggingfische. Trotzdem meinte er danach, es sei das coolste Angeln seines Lebens gewesen.

In den Tagen danach legte sich der ohnehin schwache Wind fast komplett bzw. das letzte Bisschen kam schon aus Süd. Damit wurde die Hausbucht ganz ruhig, und sogar immer klarer. Leider hatten die Locals mit ihren Netzen eine Menge der Grossaugenmakrelen abgefischt, und wohl aufgrund dessen blieben die Grossräuber ausser Reichweite meiner Fliegenrute. Da waren sie allerdings, denn Jens räumte mit der Spinnrute und maximal weiten Würfen weiter ordentlich ab.

Am Morgen des 25. war allerdings wieder reichlich neuer Bait hier rein gezogen, die Räuber bis hin zu Little Tunnies waren dran, und ich machte mich gerade bereit, als die Boote wieder kamen. Es war echt eine Menge, die da rausgezogen wurden. Ich schätze so anderthalb Tonnen. 

Trotzdem blieb welcher zurück, und meine folgenden nicht mal zwei Stunden Fliegenfischen waren wohl die besten, die ich hier bisher geniessen durfte. Das trotz schwieriger Bedingungen bei Flut bis zum Hals im Wasser stehend da sich alles direkt an den Felsen abspielte, wo es natürlich keinen Raum zum Rückschwung gibt. Viel geworfen hab ich allerdings eh nicht, das Meiste war Drillzeit.

Der Hut ging mir allerdings hoch als eines der Boote dann mit einem deutlich grösseren Netz wieder kam, die Ecke quasi absperrte, und von den Makrelen über die Räubr bis hin zu Rochen und kleinen Haien alles einsackte. Seither ist die Bucht tot, und ich tröste mich damit, dass der Wind wieder auf Nordwest gedreht hat, und ich hier eh nicht fischen könnte. Anderweitige Beschäftigung gab es ja auch noch: Das Boot hat mal wieder ein Problem, das besorgte Ersatzteil wurde vom Mechaniker, wie er mir nach ein paar Tagen gestand, verbummelt, und somit stehe ich diesbezüglich aktuell wieder auf Los - allerdings ohne Würfel. Zum Glück gab es Ablenkung in Form des noch zu erstellenden Videos vom Cat-Trip auf die Amiranten. Da ich selbst ja viel Zeit hatte, und es potentiellen Zusehern wohl grossteils derzeit ähnlich geht, sind satte 45min draus geworden. Hoffentlich habe ich die Geschichte dieser Woche einigermassen nachvollziehbar und unterhaltsam umgesetzt bekommen. Wer sich dazu eine Meinung bilden will braucht nur auf das verlinkte Bild oder hier zu klicken.

Völlig überraschend gab dieser Tage Brandon (Island Rhythm) noch Infos zu einer Kundentrip durch. Neben einem verlorenen Marlin gab es ordentlich Beifang, und dieser Sail konnte releast werden. 

Ich dachte eigentlich nicht dass sich an der Front noch etwas tun würde, aber das wird wohl die letzte Charter hier für einen nicht absehbaren Zeitraum gewesen sein. Auch auf Mahe wird nur noch privat gefischt, das aber offenbar durchaus erfolgreich. Ein privates Boot meldete das erfolgreiche Release eines offensichtlich nicht kleinen Blue Marlin.

Ein anderes hingegen hatte Glück mit einem Gestreiften, der natürlich auch getaggt und releast wurde. Feiner Fang, da diese ja hier doch eher nicht so häufig sind. Und ein wirklich erstklassiges Foto noch dazu.

Josh, der dort an Bord war, legte auf Mahe noch diesen tollen Bonefish auf Fliege nach. Ganz herzlichen Dank für die höchst willkommenen Beiträge. 

An Fisch mangelt es also weiterhin nicht, nur an Anglern. Es steht zu hoffen dass sich die Situation - nicht nur hier, sondern überall - möglichst bald normalisiert. Bleibt gesund!

 

16. März 2020 - Bildcollagen und Dronenbilder zum Vergrössern anklicken

In den ersten Märztagen wurde hier bei passablem Wetter durchaus bisschen gefischt. Mervin (Divinity) und Gast versuchten sich an unseren GTs und bekamen einige zu sehen, aber richtige Attacken gab es keine. Dazu waren er und auch Brandon (Island Rhythm) einige Male zum Trolling draussen, das brachte neben einige geraisten und einem gefangenen Sail den üblichen Mix aus kleineren Gamefish.

Am Donnerstag, dem 05. zog hier ein recht zünftiges Unwetter mit Wind über 40 Knoten über die Inseln, und setzte damit ein weiteres Fragezeichen hinsichtlich unseres für den Folgetag beginnenden Catamaran-Trips zu den Amiranten, der ohnehin Dank Corona bis zum letzten Moment in der Schwebe hing. Aber Freitag Morgen waren tatsächlich alle auf Mahe am Platze, wir bestiegen unser Heim für die anstehende Woche, und liefen gegen 15:30 aus.

Die über 20h Stunden lange Überfahrt in gepflegte und fast genau von vorn kommende 15-18Kn Wind war kein Zuckerschlecken, aber die meisten haben es einigermassen gut überstanden. Und zur Ankunft gab es gleich mal einen fast überwältigenden Eindruck des St. Joseph Atoll, das als Ringriff mit allerlei Inseln entlang desselben und der Lagune mittendrin einfach ein Eldorado zum Fliegenfischen sein muss. 

Mit Blick darauf wurden zum ersten Mal die Jigs abgelassen, und gleich ging es zur Sache. Mein erster Fisch schien sich festgesetzt zu haben, so dass ich abreissen wollte, aber mit der Rute senkrecht nach unten die Spule festhaltend kam plötzlich Bewegung in die Nummer. An meinem doch recht feinen PE5 Stöckchen mit nur einer Shimano 8000er war das schon fast ein Endgegner, der mir lange richtig Saures gab, aber dann doch weiss zeigen musste. Wirklich netter Doggie zum Einstieg.

Nach ein paar weiteren Fischen für alle wurde auf dem Weg zum nächtlichen Ankerplatz vor d`Arros auch noch etwas gepoppert. Das brachte ein paar kleinere GTs, bevor Artemi einen Grossen hakte. Fettes Ding.

Wenig später bekam ich im Heck fischend auch noch so ein Kaliber auf einen grossen Stickbait dran, aber der Lump jagte genau gegen unsere Fahrtrichtung, war trotz meiner üblichen Bremseinstellung am Rande des Vorwärtssaltos nicht zu bremsen, und bis der träge Kahn mal stoppte auch schon in den Korallen. Trotzdem waren das natürlich sehr vielversprechende erste Stunden, und entsprechend hoch die Erwartungen für die folgenden Tage. Nach dem Dronenblick auf das St. Joseph Atoll war aber erstmal träumen von einer Woche Fliegenfischen in dieser Lagune angesagt - ein neues Projekt!

Heiss ohne Ende legten wir am Sonntag zeitig wieder los, popperten und vor allem jiggten nach Süden. So gut wie am Vortag wurde es nicht mehr, aber es kamen immer wieder teils schöne Fische raus, und einige richtig Gute gingen verloren. So unter anderem der Sailfish an Marcs Slow Pitch Kombo, bevor ich einen der Sprünge filmen konnte. Auch die Haie nahmen sich beim Jiggen ihren Teil, beim Poppern allerdings kamen sie kaum mal hoch wie hier um die Inner Islands ständig.

Alles in allem war das noch ein passabler Tag mit dem Wind im Rücken, und einer allerdings kurzen Nacht vor der Insel Poivre, die zusammen mit der Ile du Sud ebenfalls ein imposantes Atoll bildet.

Am nächsten Morgen ging es schon um 4 Uhr wieder los, denn gute 3h Stunden Anfahrt zum westlichen Drop Off des Amirantenplateaus lagen vor uns. Die Distanzen da unten sind doch ziemlich gross, und so ein Cat halt langsam. Angekommen wurde zunächst mit geringem Erfolg an einer Sandpfanne gepoppert, dann nahebei an der Kante mau gejiggt, nochmals ohne nennenswerte Aktion gepoppert und letztendlich unter wenigen Fischen auf dem Weg zurück nach d´Arros immer wieder gejiggt. Die Fische wollten aber kaum noch, und der Vollmond zog kugelrund am Himmel auf. Zu diesem und danach hab zumindest ich hier selten gutes Fischen erlebt, und war insofern auch nicht überrascht. Natürlich kam immer noch eine passable Zahl an grossteils auch vorzeigbaren Fischen zum Vorschein, aber unser Skipper Jeremie war gar nicht froh.

Das blieb auch am vierten Tag, dem Dienstag, so. Weiter fischten und fuhren wir gegen den mittlerweile aus Nord kommenden, aber nicht mehr so starken Wind bis Remire. Höhepunkt dabei war, endlich mal in einen satten Tuna Boil zu geraten. Ich sah Fische von 40-50kg meterhoch in der Luft, und hakte wie zwei Mitangler einen davon. Dazu gingen zwei kleinere an`s Band - und die bekamen wir auch als einzige. Ist halt absolutes Chaos, wenn diese Fässer die Schnüre verwickeln, und der Skipper kann bei 5 singenden Rollen und durcheinender rasenden Fischen auch nichts machen.

Weitere sonderlich zeigenswerte Fänge jenseits des bereits Gezeigten gab es nicht, also stattdessen nochmal ein Dronenbild des Inselchens.

Zum ersten Mal seit Tagen sahen wir auch wieder andere Menschen und Boote. Man war offenbar wohlhabend genug, sich neben dem riesigen Powercat und einer ab Mahe operierenden +50Fuss Sportfisher auch noch einen 3m hohen, aufblasbaren Flamingo zu leisten.

Aber gefangen hatte die sich dort seit 3 Tagen tummelnde Bande trotzdem kaum etwas. Da für die Rückfahrt nach Mahe mit Puffer gut 24h anzusetzen waren, stellte sich die Frage, ob wir die Nacht dort bleiben, morgens noch kurz fischen, und dann heimtuckern sollten. Oder alternativ die Nacht nutzen, um ohne Schlaf das südliche Mahe Plateau zu erreichen, den Tag dort nochmals Vollgas zu geben, und dann wieder eine schlaflose Nacht für den Wegesrest nach Mahe in Kauf nehmen wollten, um die Angelzeit zu optimieren. Während die vorhersehbare Entscheidung fiel machte Marc nochmals eine Luftaufnahme. Was für ein genialer Ort. Und wie mag es erst sein wenn es auch nur normal beisst? 

Vom mittlerweile erheblichen Schlafmangel arg mürbe liessen wir am nächsten Morgen im ersten Licht am südlichen Drop Off des Mahe Plateaus die Jigs fallen, und sofort war alles anders: Absolute Beissphase, und bis kurz vor Tidentiefstand am Mittag ging es pausenlos rund. Mittags liess es mal bisschen nach, aber nur kurz. Rund 30 Doggies, noch deutlich mehr Amberjacks, zahlose Rosy Jobfish, und praktisch alle der anderen üblichen Verdächtigen waren wieder auf Fresstour. An dem Tag allein kam mehr Fisch hoch als in den ganzen vorherigen viereinhalb Tagen. Es muss deutlich über eine Tonne gewesen sein, denn mindestens Hundert lagen irgendwo zwischen 8 und 40kg. Nur der richtige Riese fehlte. Viel gefilmt und fotografiert wurde nicht mehr, hier also nur eine minimale Auswahl.

Die Rückkehr in die Zivilisation war wie immer hart, und die uns ja nach völliger Abgeschnittenheit erreichenden Nachrichten zur Weltlage machten es nicht besser. Jacob und Artemi war klar, dass es nach Ankunft in Israel gleich in Quarantäne gehen würde, Mark schaffte es in Deutschland allerdings zum Glück ebenso nach Hause wie Per-Ola in Schweden, und ich nach Praslin. Von Stephane aus Frankreich kam allerdings noch keine Meldung. Dank an die Truppe, die sich bis auf die beiden Israelis vorher nicht kannte, und ganz hervorragend funktionierte. Und natürlich an unseren wie immr traumhaften Bordkoch Damien sowie Skipper Jeremie, der zur Optimierung der Angelzeit jede nächtliche Strecke in Kauf nahm und wirklich alles gab.

Er bewertete unsere Fischerei in den Amiranten mit ganzen 3 von 10 möglichen Punkten, aber aufgrund des tollen Jiggings des letzten Tages sowie der Chance, endlich diese entlegenen Orte zu sehen und zu befischen war ich absolut zufrieden mit dem Trip. Zwar waren es nur ein GT von etwa einem Dutzend und zwei Doggies der wohl insgesamt um die 60, die an den 40kg kratzten, aber mehr Dickfisch wäre durchaus drin gewesen. So beispielsweise durch meinen wirklich massiven Grouper, der sich unter den Frotzeleien der anderen binnen 20 Minuten keinen Zentimeter vom Grund lösen liess, sondern nur da unten rum zog. Aber alle anderen hatten auch ihre Momente der Agonie, und mit zumindest ein paar von diesen Fischen hätte es sicher insgesamt spektakulärer ausgeschaut. Hier eine Bildergalerie, die wohl noch ergänzt wird, sobald ich die fehlenden Bilder aller anderen Teilnehmer habe. Einfach mal durchklicken!

Auf Praslin wurde in der Zwischenzeit natürlich weiter gefischt, wenn auch aufgrund coronabedingter Stornierungen weniger als erwartet. Hier war die Fischerei ebenfalls am und nach dem Vollmondtag zäh, erst am Donnerstag kam wieder Schwung in`s Jigging, und Greg (Bite Me) hatte einen richtig guten Tag. Trolling war auch eher mau, besonders morgens. Nachmittags hingegen kamen die Segelfische hoch und wurden vielfach gesehen sowie hier und da gefangen. Greg versuchte es eigentlich mit Gast auf Fliege, aber nur dieser Sail hängte sich an einem als Teaser geschleppten Lure auf, während die anderen das Gefussel verschmähten.

Uferangeln lief ebenfalls weiter richtig gut wie ich von den zuvor beratenen Anglern Jonas und Jens erfuhr, Trevallies und Konsorten machen weiterhin die Küste Praslins in grosser Zahl unsicher.

Da auch die Transition mit üblicherweise perfekt ruhigen Bedingungen vor der Tür steht sollte sich weitestgehend prima angeln lassen. Hoffentlich kommen dann auch die Gäste dafür, aber es sieht nicht gut aus: Vor ein paar Wochen war es noch unmöglich, für diese Phase ein Boot zum Poppern und Jiggen zu bekommen, aber nun ist aufgrund des Virus und der damit verbundenen Rücktritte bzw. Reisesperren doch reichlich bzw. unschön viel bereits frei geworden, und wann es sich einrenkt kann halt niemand absehen. Bleibt gesund, wo immer Ihr seid!

 

29. Februar 2020 - Bildcollagen zum Vergrössern anklicken

Ein Februar ohne Report zur Monatsmitte ist sicher ungewöhnlich, aber da beinahe durchgehend starker Wind die Angelei fast auf Null runter fuhr gab es einfach kaum etwas zu berichten. Greg (Bite Me) kämpfte sich zwei Mal mit den selben insistierenden Gästen zum Drop hinaus, um dort zu jiggen. Für die Bedingungen lief das nicht schlecht, aber nach jeweils drei Stunden in rauer See, einer rasenden Drift, und somit schwersten Jigs kämpften sie sich gegen die Welle wieder zurück nach Praslin. Jochen aus Deutschland, der letztes Jahr schon hier mit uns fischte, wartete unterdessen auf besseres Wetter. Damit er derweil zumindest ein bisschen fischen konnte kam ihm mein Tipp beszüglich des einzig geschützten Spots, der mir letzten Monat den schönen Golden Trevally auf Fliege brachte, natürlich zupass. Und ebenso, dass dort auch für ihn noch einer zu ernten war. Spitzenfisch, der auf die Fliege den arttypischen langen Drill und am Ende ein tagelanges Grinsen bescherte.

Aber in den folgenden Tagen tat sich auch dort nichts Nennenswertes mehr, so dass ich in Ruhe das ziemlich üble Tropenfieber auskurieren konnte, das mich für fast zwei Wochen ziemlich umgenietet hatte. Deswegen bin ich auch am 08. nicht mit, als Jochen endlich zusammen mit dem dem skandinavischen Angler Ludvig und Mervin (Divinity) zum Drop konnte. Es war auch da arg ungemütlich draussen, aber die Jiggerei lief recht ansprechend. Dazu liessen sich zwei Gelbflossentune auf Popper haken, und ein 2m Bullenhai auf Jig gab Jochen gründlich Saures. Leider gibt es von dem kein Bild, da sich das Viech nicht mehr weit vom Boot entfernt doch noch verabschiedete. Der Unmut darüber hielt sich jedoch insbesondere bei Bordzahnarzt Mervin in Grenzen, denn sowas ist kein angenehmer Patient.

Erst zur Monatsmitte zeigte sich der Wind etwas weniger stetig. Trotzdem blies es oft heftiger als angesagt, und der sehr nette James aus England hatte daran auf einer Drop Off Tour am 16. ganz ordentlich zu knabbern. Schon als wir dort draussen ankamen war nicht recht fit, und nach ein paar ersten Jiggingfischen und einer erneuten Begutachtung seines zuvor eingenommenen Frühstücks musste er abwinken. Wenn das Boot fuhr statt zu dümpeln ging es etwas besser, und auch aufgrund des in Wind und Welle anzutretenden Rückwegs schleppten wir nach Hause. Der erhoffte Sailfish zeigte sich dabei leider nicht, und so mussten zwei Wahoos die Tour halbwegs retten.

James stornierte nachvollziehbarerweise seinen für den übernächsten Tag geplanten zweiten Trip. An dem Morgen waren die Bedingungen allerdings zum Fliegenfischen nahe des Flughafens okay, und so lud ich ihn ein, mich dazu zu begleiten. Das wurde ein richtig netter Vormittag, der unter regem Austausch von Angelerfahrungen und viel trockenem Humor neben ein paar kleineren Fischen auch noch drei schöne Brassy Trevallies auf Popperfliegen einbrachte. Nicht froh war der letzte davon, der noch direkt vor uns von einem kaum zu vertreibenden Hai angegangen wurde. Wir hingegen hatten richtig Spass, und ich war ziemlich erleichtert, dass der echte Gentleman wenn auch jenseits des eigentlich angedachten Programms eine offenbar eindrücklich positive Angelerfahrung aus Praslin mit heim nehmen konnte.

Nochmals zwei Tage später ging es erneut für Jochen und Mervin zum Drop. Diesmal im Team mit Angler Dominik und mir. Die Popperruten waren natürlich auch an Bord, aber der morgens gleich gefundene, grosse Trupp Tune tauchte immer ab, wenn wir ran wollten. Nur während des Jiggings und bei abgeschalteten Motoren kamen welche ein paar Mal in Wurfweite, und zwei liessen sich haken. Die Jiggerei lief hingegen sehr solide. Bisschen unterhalb des Üblichen was die Gesamtzahl der Fische anging, aber es waren ein paar wirklich Anständige dabei.

Dominiks Doggie, links oben zu sehen, raste so dermassen davon, dass wir einen viel Grösseren erwarteten. Einzig andere Option war eine Aussenhakung, und leider zeigte sich genau das, als der Fisch endlich auftauchte. Trotzdem war das ein wirklich beeindruckender erster Run gewesen. Einfach mal den kurzen Videoclip auf Facebook hier anschauen, und dazu zum 20. Februar runterscrollen. Lohnt sich! Entlang der folgenden Woche oszillierte die Windgeschwindigkeit um 15 Knoten, und die etwas laueren Phasen dazwischen wurden zu einigen Trollingtouren genutzt. Weiterhin ist die pelagische Aktivität auf dem Plateau deutlich höher, und die Segelfische sind in guten Zahlen unterwegs. JD (One Love) hatte einen Grossen, Brandon (Island Rhythm) zwei, und Mervin gleich drei an einem halben Tag. Allerdings gab es, obwohl wir ja in der Saison für diese sind, erstaunlich wenig Marlin-Sichtungen. Nur Mervin verlor mal einen, da der Gast ungeschickt und sicher versehentlich den Bremshebel komplett öffnete. Das Vogelnest auf der Rolle kam dem Fisch natürlich gerade recht. Für die Boote aus Mahe sah es etwas besser aus. Ein Marlin wurde mit knapp unter 500lb eingewogen, und der lokale Angler Darryn releaste diesen.

Richtig übel entwickelte sich noch ein Nachmittag GT Poppern und Jigging auf dem Plateau mit Mervin für den deutschen Angler Dietmar. Vormittags war der Wind lau, und ein paar verteilte, kleine Schauerwolken schienen kein Problem, so dass wir Fregate im Süden ansteuerten. Während zur Ebbe ein paar Spots ohne grossen Erfolg mit Jigs abgegrast wurden, verfinsterte sich der Himmel binnen Minuten von Norden, der Wind briste mächtig auf, und der Regen begann zu hämmern. Damit war erstmal ein ungemütlicher Rückzug in den Windschutz von La Digue angesagt. Dort wurde das Jigging kaum besser, und dazu nahmen sich die Haie fast jeden gehakten Fisch. Diese waren auch als einzige an den Poppern interessiert, und der Regen hörte ebenfalls nicht mehr auf. War eine ganz üble Tour unter allen Gesichtspunkten ausser Dietmars ungebrochenem Frohsinn, aber mehr als diesen Bluefin Trevally gibt es davon trotzdem nicht zu zeigen.

Positiv war eigentlich nur dass wir endlich Niederschlag bekamen, denn bisher war die ganze Regenzeit viel zu trocken. Die Vorhersage verhiess mehr davon, zusammen mit den für diese Schauerzellen typischen Windspitzen. Zwar kam davon zunächst deutlich weniger als angesagt, aber bei den Aussichten wollte natürlich trotzdem niemand mehr raus. Am 27. war morgens der Wind jedoch tatsächlich ganz weg, und über Nacht hatte sich sogar die aufgewühlte Bucht hier vor meiner Bude so sehr beruhigt, dass ein bisschen Fliegenfischen möglich schien. Dazu raubten Trevallies mächtig, also schnappte ich mir die Rute und gab Fersengeld zum Lieblingsfelsen. Das brachte gleich mal gut 15 scheinbar glasklare und in der Rute fühlbare Attacken bei den ersten vielleicht 10 Wüfen, aber keiner hing. Ein schneller Fliegenwechsel auf ein statt 10cm nur halb so grosses Exemplar brachte hingegen sofort den erhofften Effekt - Rute richtig krumm. Der Brassy Trevally wurde während des kompletten Drills bis direkt an den Felsen von seinen Kumpels begleitet, da waren also noch mehr davon. Aber nach dem Release haben die wohl einen gemeinsamen Rückzug angetreten, denn in den folgenden zwei Stunden, bis mich der wieder einsetzende Wind vertrieb, tat sich nichts mehr. Gestern Morgen war es allerdings wieder fischbar, und zwei weitere liessen sich neben einer Reihe kleinerer Fische noch fangen. Dazu gab es reichlich Nachläufer, Fehlbisse, und ein richtig Guter stieg leider im Drill aus - das waren ein paar sehr unterhaltsame Stunden. Schade nur dass die angedachte Nachmittagssession mit Andre vom Wind verblaseen wurde, und nun ist die gestern noch perfekte Bucht wieder zum krautigen Michkaffee verkommen. 

Immerhin ging hier zu einer an sich völlig unmöglichen Zeit mal wieder `was, und ohne das Privileg, genau hier zu wohnen, wäre mir das wohl entgangen. Ist also auch immer Glück im Spiel. Die Erkenntnis dass eine drastische Reduzierug der Mustergrösse funktioniert wird obendrauf wohl für künftiges Fliegenfischen nützlich sein. Mein Boot hingegen wurde während des ganzen Monats völlig vernachlässigt, wenn man von ein paar Stunden absieht. Musste halt mal die Motoren laufen lassen, und hab dazu eine Popperrute an die Hafenfelsen mitgenommen. Dort ging es richtig rund, sofort kam ein Trupp aus einen halben Dutzend allerdings nicht richtig grosser GTs der Meterklasse zwei Mal hinterher. Aber in deren Geschubse bekam keiner den Popper zu fassen, und auch auf der anderen Seite der Struktur liess sich keiner der geraisten Doggies haken. Waren ebenfalls keine Riesen mit 5-15kg, aber immerhin sind sie nach Jahren der Abwesenheit mal wieder da. Und sobald die Möglichkeit besteht schaue ich da sicher nochmal genauer nach. Allerdings erst wenn das Wetter wieder besser ist, denn heute pfeift und schüttet es mal so richtig.

 

Die früheren Berichte finden sich im Archiv.

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