Poppern

Extrem in jeder Beziehung - anders kann man diese Art des Sportfischens wohl nicht bezeichnen. Dies gilt hinsichtlich der Anforderungen an den Angler und sein Gerät, des Suchtpotentials und der zu erwartenden Kontrahenten. Wenn sich eine mächtige Bugwelle hinter dem Popper aufbaut, dieser in einem gewaltigen Schwall verschwindet, und ein grosser, ärgerlicher Giant Trevally im nächsten Moment den Angler fast von den Füssen holt, sind dies Eindrücke, die sich unauslöschlich einbrennen werden. Ob es sich im Nachhinein um eine euphorische, oder doch eher wehmütige Erinnerung handeln wird, ist zu diesem Zeitpunkt allerdings völlig offen.

Seychellen angeln poppern GT

Die GTs der Seychellen werden gross. Richtig gross. Und zwar sowohl die Riffkönige der Outer Islands als auch die Exemplare, die sich um die inneren Granitinseln finden lassen. Auch hier ziehen sie über die vorgelagerten Flachwasserbereiche, aber gezielter lassen sie sich an den aus tieferem Wasser empor ragenden Felsstrukturen befischen. Diese stellen sich ähnlich dar, wie an Land zu sehen: Grosse, wild auf einander getürmte Brocken und scharfkantige Zinnen mit Spalten und Hohlräumen. Dazu sind diese unter Wasser natürlich auch noch mit Korallen bewachsen.

Seychellen angeln poppern Stelle

Hier haust der GT, und hier will er mit dem Popper im Maul sofort wieder hin. Dies gilt es zu verhindern, denn auch die stärkste Geflechtschnur hält dem Kontakt mit den Felsen nicht stand. Schafft es solch ein Fisch nach dem Biss, nennenswert Schnur von der Rolle zu ziehen und Fahrt aufzunehmen, so ist die Schlacht für den Angler binnen Sekunden verloren. 

Erfolgskritisch ist einerseits ein Boot mit einem in dieser Angelei erfahrenen Skipper, dieser muss das Boot zunächst im häufig turbulenten und strömenden Wasser in Wurfposition halten, und nach dem Biss den Angler darin unterstützen, den Fisch weg von der Struktur und ins Freiwasser zu bekommen. Zwingend erforderlich ist andererseits speziell für diese Angelart konzipiertes Gerät: Rollen mit Bremswirkung mindestens um 20, besser 30kg, Schnüre der Klasse PE8-10, 150lb Monovorfach, extrem belastbare Sprenringe und Wirbel mit mindestens 150kg Tragkraft.

Klingt übertrieben? Ist es nicht, denn zu oft genügt nicht einmal das. Von Versuchen mit improvisiertem Gerät, von jeder Schwäche im Material ist unbedingt abzuraten. Sie werden spätestens in dem Moment zustimmen, in dem ein GT von 30kg aufwärts Ihren Popper inhaliert, und Sie Sekunden später Ihr ausgefranstes Schnurende oder den aufgezogenen Sprengring traurig betrachten. 

Das genannte Gewicht stellt übrigens keineswegs das Ende der Fahnenstange, sondern eher den Durchschnitt dar. Von einem absolut vertrauenswürdigen Experten mit langjähriger Erfahrung wurde von einem 60kg-plus GT berichtet, der allerdings trotz aller Routine und besten Geräts leider nicht zu halten war. 

Seychellen angeln poppern Popper

Vor diesem Hintergrund manchmal nicht zu vermeidender Abrisse eine eindringliche Bitte: Ersetzen Sie im Interesse der Fairness die Drillinge Ihrer Köder durch widerhakenlose Einzelhaken. Persönliche Erfahrungen haben zwar gezeigt, dass ein einzelner Haken am Ende des Poppers oder Stickbaits eine deutlich schlechtere Hakrate erzeugt. Einige Male sind die GTs deutlich sichtbar mit dem kompletten Popper im Maul abgetaucht, hingen aber trotzdem nicht. Mit einem zweiten Einzelhaken an der Bauchöse haken sich die Fische hingegen fast genauso gut, wie mit Drillingen. So ergibt sich ein fairer Kompromiss, und mangels Widerhaken wird der GT im Falle eines Abrisses den Köder ohne Probleme wieder los. Gleiches gilt im Übrigen für die zahlreichen Haie, die sich ungemein für Popper interessieren und deren Zähne selbst mit den starken Vorfächern kurzen Prozess machen. Positiver Nebeneffekt ist, dass man den ausgespuckten Popper dann oft von der Oberfläche wieder einsammeln kann – bei den Preisen für die Dinger sicher nicht unerfreulich. Und noch eine Bitte: Releasen Sie ihre GTs, diese tollen Fische sind kulinarisch eh uninteressant und haben es einfach verdient, weiter zu leben. Ein schnelles Foto zur Erinnerung, und dann zurück damit in den Ozean.

Auf eine Initiative meinerseits hin hat die African Billfish Foundation gestattet, ihre an sich für Schwertträger vorgesehenen Tags hier auch für GTs zu verwenden. Wäre es nicht toll, vielleicht irgendwann einmal zu erfahren, dass ein von Ihnen hier gefangener GT wieder aufgetaucht, und wie gross er zwischenzeitlich noch geworden ist? Nebst diesem in aller Regel anvisierten grandiosen Kämpfer steigen natürlich auch weitere Arten gern auf Popper ein, z.B. grosse Barrakudas. 

Seychellen angeln poppern Barrakuda

Auch Jobfish, Red Seabass und wunderhübsche Bluefin Trevallies lassen sich bei dieser spektakulären Angelei fangen.

Das Popperfischen um die Seychellen ist jedoch nicht nur auf die Strukturen um die Inseln beschränkt, sondern auch auf dem offenen Ozean höchst vielversprechend. Die ansonsten zumeist beim klassischen Big Game Trolling erbeuteten Arten wie Dorado, Wahoo, Rainbow Runner und Segelfisch sind zumeist an einem laut platschenden Öberflächenköder interessiert. Hauptzielfisch hierbei sind allerdings die iin den hiesigen Gewässern zahlreich vorkommenden Gelbflossentune, und wenn sich diese teils mit vielfachen Attacken um die Popper balgen ist Hochspannung garantiert. Übertrieben? Einfach mal hier ein paar der Videos anschauen.

Das Adrenalin solcher Szenen muss den Angler dann durch die oft langen Drills tragen, denn die Tune können hier auch gern mal bis an die 100kg wiegen.

Diese Kaliber haben schon so manchen gestandenen Sportfischer in die Knie gezwungen, und Grössere selbst das beste Gerät buchstäblich abrauchen lassen.

 

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