Ob sich der Südost lediglich eine Pause nahm, oder sich dieses Jahr wirklich sehr früh gelegt hat, bleibt noch abzuwarten, aber so oder so bot der Oktober fast durchgehend fischbare oder sogar angenehme Bedingungen. Das war natürlich prima für jene Angler, die das Risiko anhaltenden Starkwindes eingegangen sind, um diese Idealsituation zu erwischen. Aber man muss leider konstatieren, dass die Angelei in einigen Aspekten die entsprechend zu erwartende Qualität diesmal nicht geliefert hat. Zumindest das Trolling aber funktionierte, abgesehen von ein paar Tagen, an denen die Boote Mühe hatten, mehr als ein paar Bonitos zu erwischen, ziemlich durchgehend auf hohem Niveau. Segelfische gab es dabei reichlich, siehe hier von Mervin auf Gamechanger.
Währenddessen genossen Greg und seine verschiedenen Gäste auf seinem Boot Topwater aber auch so ziemlich alle anderen der hier möglichen Angelarten, und das mit offensichtlichem Erfolg.
Am 16. trudelten Volker, Olaf und Paule, mit denen ich ja vor einem Jahr in den Amiranten auf einem Cat unterwegs gewesen war, hier ein. Diesmal mit Martin, der jenen Trip verpasst hatte - und in der Hoffnung auf besseres Jigging als seinerzeit. Etwas besser war es, und das war in Anbetracht der diesbezüglich totalen Flaute während jener Reise ja auch nicht anders zu erwarten, aber trotzdem lief es keineswegs auch nur annähernd so gut wie es sein kann und sollte. Der erste Tag am Drop erwies sich vor allem aufgrund wirklich harter Strömung und trotz massiver Fischanzeigen auf dem Sonar als schwierig, und die Truppe musste hart arbeiten für ein paar vorzeigbare Fische. Der eine Amberjack war aber natürlich eine Granate.
Am Folgetag ging es auch nicht entscheidend besser, aber zumindest kamen die ersten Doggies zum Vorschein. Diese wurden mit der Aufforderung releast, doch bitte ihre Grossmütter vorbeizuschicken.
Das taten sie zwar nicht, aber trotzdem lief es an Tag 3 mit den anderen Arten doch sichtbar runder.
Richtig sonderbar war allerdings die völlige Abwesenheit der Gelbflossentune, die anzuwerfen üblicherweise zu dieser Zeit eine tolle Abwechselung zum Jigging bietet. Zeitweise kommen sie ja bloss nicht an die Oberfläche, aber da auch auf Jigs kein einziger gefangen wurde, waren sie wohl einfach nirgendwo am Drop unterwegs. Um also etwas Castingaction einzustreuen lag am Folgetag dann mal GT Popping an. Das entwickelte sich zu einer munteren Angelegenheit, zumal noch einige grosse Exemplare davonkamen.
Tags drauf fuhr ich dann mit an einen an den Vortagen von Mervin noch nicht angefahrenen Sektor des Drops. Auch dort fanden sich die Tune nicht, und generell weniger Fisch auf dem Echolot. Das Schema der bisherigen Touren, sprich etwas Aktion morgens, dann eine schlappe Phase bis zum nächsten Beissfenster ab dem frühen Nachmittag, bestätigte sich dabei erneut. Besonders die letzte Stunde im Flachen war doch sehr munter.
Um nochmals etwas Abwechselung reinzubringen, und da es ja gut funktioniert hatte, ging es dann am 22. nochmals auf GTs, und das war offensichtlich eine gute Entscheidung.
Während der ganzen Zeit waren die Bedingungen, abgesehen von der unvermindert wirklich krassen Strömung, freundlich gewesen, aber der letzte Angeltag der Gruppe wurde dann doch vom mittlerweile südlich vorüberziehenden Zyklon beeinträchtigt. Es war nicht allzu übel, und merkwürdigerweise brachte die Situation diesmal keinen so sehr benötigten Regen. Aber 15 Knoten Wind, in Böen über 25 Knoten, in die Strömung hinein, machten die Jiggerei noch schwieriger als zuvor, und dazu kam noch eine miese Bissfrequenz. Damit gab es dann leider keinen krönenden Abschluss für die Jungs.
Trotz der insgesamt doch deutlich unterdurchschnittlichen Angelei am Drop war die Truppe aber nicht frustriert, und das dürfte hauptsächlich an der sehr ordentlichen GT-Popperei gelegen haben. Dass diese ein sinnvolles Ziel während dieser zweiten Oktoberhälfte waren, zeigte auch Greg, der mit seinen wechselnden Gästen etliche unterhaltsame Tage um die Inseln erlebte. Zwar waren ungewöhnlich viele Teenager, wie ich die Fische zwischen 10 und 20kg gern nenne, dabei. Aber diese sorgten zumindest für Frequenz, und sind auch ideal für damit nicht so erfahrene Angler. Ein paar Gute waren ja auch dabei, und wie es bei dieser Angelei nunmal ist, kamen noch einige mehr davon.
Letztes Wochenende fand dann das alljährliche La Digue Turnier statt, und aufgrund einer Wetterwarnung mit Blick auf den Zyklon wurde die Startzeit um 12 Stunden verschoben. Letzten Endes fanden die Boote dann draussen aber Ententeich vor, damit wurde das Trolling zu kaum weniger als einer Katastrophe, und auch Jigging blieb schwierig. Somit konnten einige Artenpokale nicht verteilt werden, da die entsprechenden Fische schlicht gar nicht gefangen wurden. Ein La Digue Turnier ohne einen einzigen Gelbflossentun ist meines Wissens denn auch ein Novum gewesen. Am langen Ende war dann das Praslin-Team Albermarlin mit dem Mahe-Team Paola punktgleich, aber konnte den Sieg aufgrund eines in quasi letzter Minute eingesammelten Sails mitnehmen. Seither hat der Wind mit 10-15 Knoten zurück auf Südost gedreht, aber da keine weiteren wesentlichen Nachrichten mehr durchkamen, lecken vermutlich alle ausser den glücklichen Gewinnern noch ihre Wunden.
Die früheren Berichte finden sich im Archiv.